Fallout: London ist kein bloßer Fan-Service, sondern eine der ambitioniertesten Total-Conversion-Mods überhaupt: ein neues Fallout-Abenteuer in einer komplett anderen Welt, aber technisch auf Fallout 4 aufgebaut. Wer verstehen will, was hinter dem Projekt steckt, wie du es sauber installierst und warum es sich spielerisch deutlich vom Hauptspiel absetzt, bekommt hier die wichtigsten Antworten ohne Umwege. Ich konzentriere mich dabei auf das, was dir beim Einstieg wirklich hilft: Inhalt, Aufwand, typische Fehler und die Frage, ob sich der Aufwand am Ende lohnt.
Die wichtigsten Fakten vor dem Start
- Die Mod ist PC-only und benötigt Fallout 4 samt aller DLCs oder die GOTY-Version.
- Auf Steam musst du die Vor-Next-Gen-Version 1.10.163.0 nutzen.
- Ein neuer Spielstand ist Pflicht, alte Saves lassen sich nicht sinnvoll weiterverwenden.
- Der Umfang ist groß: Die benötigten Daten liegen bei rund 64 GB insgesamt.
- Die Welt ist bewusst anders aufgebaut als in klassischen Fallout-Teilen, mit neuen Fraktionen, neuer Story und britischerer Kampf- und Erkundungslogik.
Was die Mod eigentlich ist und warum sie so viel Aufmerksamkeit bekommt
Fallout: London ist ein DLC-großes Fanprojekt für Fallout 4, das dich nicht in die vertraute amerikanische Ödnis schickt, sondern in ein nuklear verwüstetes London. Genau das macht die Mod so spannend: Sie will nicht einfach nur vorhandene Assets neu anordnen, sondern ein eigenständiges Rollenspielerlebnis liefern, das auf neuen Fraktionen, neuen Storylines, neuen NPCs, neuen Waffen und eigenen Kreaturen basiert.
Für mich liegt die Stärke des Projekts darin, dass es sich nicht wie ein bloßer Anstrich anfühlt. Die Mod baut eine eigene Welt mit eigener Haltung. Du merkst das an der Erzählweise, an der Atmosphäre und daran, dass London nicht als Kulisse, sondern als inhaltlicher Kern gedacht ist. Laut der offiziellen Projektbeschreibung spielt die Handlung in einer kompakten Version der Stadt, die sich ungefähr über die zentralen Bezirke erstreckt und in ihrer Größe eher an das Zusammenspiel aus Commonwealth und Far Harbor erinnert als an eine kleine Zusatzkarte.
Auch zeitlich setzt das Projekt bewusst einen eigenen Akzent: Die Geschichte spielt im Jahr 2237, also zwischen Fallout 1 und Fallout 2. Das ist mehr als eine Randnotiz, weil es der Mod hilft, sich von der bekannten Fallout-Formel zu lösen und eine andere Seite der Serie zu zeigen. Besonders wichtig ist dabei noch ein Punkt, den viele erst später merken: Du spielst keinen stummen Wiedergänger aus Fallout 4, sondern eine neue Figur in einer separaten Handlung. Genau deshalb funktioniert die Mod eher wie ein eigenes Spiel auf Fallout-Basis als wie ein normaler DLC.
Spannend wird es jetzt bei der Frage, was diese neue Welt im Spiel konkret verändert.

Wie sich London als Fallout-Welt anfühlt
Das London dieser Mod funktioniert bewusst anders als die bekannten Schauplätze der Serie. Es gibt keine simple Übertragung der üblichen Fallout-Ikonen, sondern eine eigene Logik. FEV ist laut offizieller Beschreibung dort nie angekommen, deshalb fehlen klassische Serienmarker wie Supermutanten, Zentauren oder Todeskrallen. Auch Vault-Tec spielt keine Rolle wie in den USA, was sofort dafür sorgt, dass sich die Welt weniger nach Wiederholung und mehr nach Neuentdeckung anfühlt.
Das ist nicht nur Lore-Spielerei. Es beeinflusst das Gameplay direkt. Wenn Feuerwaffen knapper sind und improvisierte Waffen sowie Nahkampf stärker in den Vordergrund rücken, verschiebt sich auch dein Rhythmus im Kampf. Du gehst vorsichtiger vor, suchst häufiger Deckung, denkst stärker über Distanz und Ausdauer nach und verlässt dich weniger auf das klassische Fallout-Gefühl von „noch ein Gewehr und noch ein Ausrüstungs-Upgrade“. Ich finde genau diesen Bruch interessant, weil er die Mod nicht zum Klon von Fallout 4 macht, sondern zum Gegenentwurf mit vertrauter DNA.
Auch das Fraktionsdesign unterstützt diesen Eindruck. Statt die bekannten Gruppen einfach nach London zu kopieren, setzt das Projekt auf neue Machtblöcke, neue politische Spannungen und eine deutlich britisch geprägte Ästhetik. Das reicht von aristokratischen Strukturen bis zu revolutionären Strömungen und sorgt dafür, dass Erkundung nicht nur ein visuelles, sondern auch ein erzählerisches Vergnügen bleibt.
Damit diese Welt wirklich trägt, muss die Installation allerdings sauber sitzen. Und genau daran scheitern viele große Modprojekte unnötig.
So installierst du die Mod ohne unnötigen Stress
Die gute Nachricht: Der Einstieg ist deutlich besser geworden als noch zu den ersten, holprigen Tagen nach dem Release. Aktuell gibt es offizielle Installationswege über GOG und den Overwolf App Store, und für die meisten Spieler ist das die angenehmste Route. Die schlechte Nachricht: Wenn du auf Steam unterwegs bist, wird es technisch etwas aufwendiger, weil du auf die Vor-Next-Gen-Version von Fallout 4 zurück musst.
| Installationsweg | Vorteil | Nachteil | Mein Urteil |
|---|---|---|---|
| GOG oder Overwolf | Am wenigsten Handarbeit, klarer Installer | Du musst dich an die offiziellen Installationsschritte halten | Die beste Wahl, wenn du einfach spielen willst |
| Steam mit Downgrade | Funktioniert auch, wenn du Fallout 4 dort schon besitzt | Mehr Schritte, mehr Fehlerquellen, Update-Risiko | Nur sinnvoll, wenn du die Technik nicht scheust |
| Manuelle Installation | Mehr Kontrolle für erfahrene Nutzer | Mehr Aufwand und mehr Raum für Konflikte | Nur für Leute, die Mod-Setups wirklich sauber pflegen |
Der Ablauf selbst ist im Kern immer derselbe: Fallout 4 sauber neu installieren, alte Mods aus dem Weg räumen, die nötigen Dateien sichern, Fallout 4 einmal starten und erst dann die Mod installieren. Auf Steam kommt der wichtige Zusatz dazu, dass du die Version 1.10.163.0 brauchst. Das ist kein kosmetisches Detail, sondern die technische Basis, damit die Mod überhaupt korrekt läuft.
Ein weiterer Punkt, den ich nicht kleinreden würde: Nutze den Fallout-4-High-Resolution-Texture-Pack nicht. Das Projekt selbst weist darauf hin, dass dieses Paket die eigenen Texturen ersetzt. Gerade bei großen Modprojekten ist das der typische Fehler, der später unnötig viel Zeit frisst. Wenn du Fallout: London neu und sauber aufsetzen willst, ist weniger an dieser Stelle eindeutig mehr.
- Fallout 4 komplett sauber neu installieren.
- Alle vorhandenen Mods deaktivieren oder das Profil getrennt halten.
- Bei Steam auf die Version 1.10.163.0 zurückgehen.
- Fallout 4 einmal starten, damit die Basisdateien erzeugt werden.
- Die Mod über den offiziellen Installer einrichten und einen neuen Spielstand beginnen.
Wenn du mit Modmanagern arbeitest, lohnt sich ein separater, sauberer Profilaufbau. Gerade Vortex oder ähnliche Tools sind praktisch, aber sie verzeihen Mischinstallationen deutlich weniger, als man am Anfang hofft. Der nächste wichtige Punkt ist deshalb nicht die Performance, sondern die Stabilität.
Was du technisch einplanen solltest
Bei großen Mods ist nicht die reine Grafik die größte Hürde, sondern die saubere Systempflege. Fallout: London braucht am Ende rund 64 GB Speicherplatz insgesamt, also etwa 30 GB für das Basisspiel und rund 34 GB für die Mod. Das klingt nicht dramatisch, ist aber groß genug, um auf kleineren SSDs schnell zum echten Platzproblem zu werden.
Wichtiger noch: Du brauchst einen neuen Spielstand. Alte Saves sind hier nicht der richtige Weg, weil die Mod eine eigene Welt, einen eigenen Protagonisten und andere Mechaniken mitbringt. Wenn du versuchst, einen bestehenden Fallout-4-Charakter hineinzuziehen, bekommst du in der Praxis mehr Probleme als Nutzen. Ich würde deshalb immer einen separaten Durchlauf planen und nicht versuchen, beides in einer laufenden Installation zu vermischen.
Ein paar Punkte solltest du vor dem Start konkret abhaken:
- Genug freier Speicher auf der SSD, idealerweise deutlich mehr als die Mindestmenge.
- Keine konkurrierenden Mod-Setups im selben Fallout-4-Profil.
- Steam-Updates deaktiviert oder zumindest im Blick behalten, wenn du auf der alten Version bleibst.
- Ein frischer Spielstand statt eines alten Durchlaufs.
- F4SE, also der Script Extender für Fallout 4, falls du manuell arbeitest oder Modmanager-Setups baust.
Das klingt nach viel Vorbereitung, ist aber genau der Teil, der später Frust spart. Wer hier sauber arbeitet, erlebt die Mod deutlich entspannter. Und sobald das Fundament steht, ist die eigentliche Frage nicht mehr die Technik, sondern das Spielgefühl.
Wie sich das Spielgefühl im Vergleich zu Fallout 4 verändert
Fallout: London ist nicht einfach nur „mehr vom Gleichen“. Die Mod verschiebt bewusst Akzente. Statt der bekannten amerikanischen Fallout-Ikonografie bekommst du britische Architektur, andere kulturelle Referenzen und eine Welt, die sich politisch und atmosphärisch anders anfühlt. Ich halte das für einen der stärksten Punkte des Projekts, weil es die Serie nicht imitiert, sondern weiterdenkt.
Spielerisch merkst du das vor allem in drei Bereichen:
- Erkundung wird stärker zum eigentlichen Antrieb, weil du neue Orte, neue Fraktionen und neue Regelbrüche entdeckst.
- Kampf ist oft unmittelbarer und härter, weil improvisierte Waffen und Nahkampf stärker zählen.
- Rollenspiel gewinnt an Gewicht, weil die Welt weniger auf bekannte Fallout-Routinen setzt und mehr auf neue Konstellationen.
Dass es keinen vertonten Protagonisten gibt, hilft dieser Richtung eher, als dass es ihr schadet. Die Figur bleibt dadurch offener für Interpretation, und die Mod kann sich stärker auf Dialoge, Umgebung und Fraktionen stützen. Für mich ist das ein vernünftiger Trade-off: weniger inszenierte Stimme, dafür mehr Platz für eigene Identität.
Wenn du vor allem wegen der Schusswechsel und des vertrauten Fallout-4-Gefühls kommst, kann dich die Mod anfangs irritieren. Wenn du aber eine dichte, fremde und zugleich klar erkennbare Fallout-Welt suchst, ist genau das der Reiz. Damit ist auch schon klar, für wen sich das Projekt besonders lohnt.
Für wen sich die Mod lohnt und wo ihre Grenzen liegen
Ich würde Fallout: London vor allem drei Gruppen empfehlen: Fallout-4-Veteranen, die eine komplett neue Kampagne wollen; Rollenspieler, die Wert auf Fraktionen, Weltbau und Atmosphäre legen; und PC-Spieler, die bereit sind, für eine große Mod einen sauberen technischen Einstieg in Kauf zu nehmen.
Weniger passend ist das Projekt für Spieler, die einfach nur spontan loslegen wollen, für Konsolenbesitzer und für alle, die ihr bestehendes Fallout-4-Setup nicht anfassen möchten. Die Mod ist PC-only erschienen, und daran hat sich nach offiziellem Stand nichts geändert. Wenn du keine Lust auf Downgrade, Clean Install und Profilpflege hast, wirst du mit dem Aufwand vermutlich nicht warm.
Typische Fehler, die ich vermeiden würde:
- einen alten Spielstand weiterverwenden zu wollen,
- die Next-Gen-Version auf Steam stehen zu lassen,
- parallel laufende Mods im selben Profil zu behalten,
- den Speicherbedarf zu unterschätzen,
- das Projekt wie einen kleinen Zusatzinhalt zu behandeln.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen Enttäuschung und einem sehr starken Erlebnis: Wer die Mod als eigenständiges Spiel behandelt, bekommt deutlich mehr zurück. Wer sie wie ein schnelles Add-on installiert, läuft eher in Konflikte und falsche Erwartungen.
Warum das Projekt 2026 noch relevant ist
Der Stand ist inzwischen reifer als der reine Hype rund um den Erststart. Team FOLON hat die Mod nach dem Release mit weiteren Inhalten und einer vereinfachten Startumgebung ausgebaut; besonders die Erweiterung rund um „Rabbit and Pork“ brachte laut Team unter anderem 80 vertonte NPCs, 30 neue Quests und Minispiele, 70 zufällige Begegnungen sowie zahlreiche Bugfixes und Verbesserungen. Genau solche Nachbesserungen sind wichtig, weil sie zeigen, dass das Projekt nicht auf dem ersten Eindruck stehen geblieben ist.
Zusätzlich ist spannend, dass sich Team FOLON inzwischen als eigenständiges Studio aufstellt und nach der angekündigten letzten geplanten Erweiterung „WildCard“ das Fallout-Modding verlassen will. Für dich als Spieler heißt das vor allem eines: Die Mod ist keine flüchtige Modding-Laune, sondern ein Projekt mit klarem Abschlussbild und echter Entwicklungs-Energie dahinter.
Mein pragmatisches Fazit ist deshalb simpel: Wenn du einen PC hast, Fallout 4 samt DLCs besitzt und bereit bist, die Installation sauber aufzusetzen, ist Fallout: London eine der lohnendsten Fanproduktionen im RPG-Bereich. Wenn du dagegen etwas suchst, das ohne Eingriffe sofort läuft, solltest du lieber warten oder dich auf eine unkompliziertere Alternative konzentrieren. Für alle anderen ist das hier genau die Art von Mod, die man nicht nur startet, sondern wirklich spielt.